Unsere Kirchen

 

Stadtkirche Müllheim | Werderstraße 32 | Müllheim

ZUR GESCHICHTE DER EVANGELISCHEN KIRCHE IN MÜLLHEIM

 
Die freie und erhöhte Lage, der schlanke rote Baukörper und der Turm wie ein Fingerzeig zum Himmel haben die Evangelische Stadtkirche seit ihrer Fertigstellung im Jahre 1881 zu einem Blickfang gemacht. Obwohl der Wunsch nach einem neuen, größeren Gotteshaus schon 1846 laut wurde, da der Erhalt der mittelalterlichen Martinskirche auf Dauer zu kostspielig war, hatte sich der Baubeginn nach den Plänen des Großherzoglichen Oberbaurats Leonhard immer wieder verzögert. Beim Umzug wurde der Taufstein von 1684 in die neue Kirche übernommen, ebenso die drei Glocken; eine vierte, größere wurde neu angeschafft.
lm Ersten und Zweiten Weltkrieg mussten die Glocken leider abgegeben werden. Das heutige Geläut (eis,e, fis, a) stammt von 1949 aus der Werkstatt Grüninger, Villingen. Die Großherzogliche Domänenverwaltung als Inhaberin des Kirchenvermögens war seinerzeit für die Grundstücks- und Baukosten zuständig, so dass die Stadt nur für die „Fuhr- und Handdienste“, für die Orgelempore mit Orgel sowie für die Uhr und die Glocken aufkommen musste. Betritt man die Kirche durch das Hauptportal, geht man unter einer Reliefdarstellung Christi inmitten der Mühseligen und Beladenen hindurch (Matth.11, 28). Sie lädt zum Gottesdienst ein mit der Botschaft: niemand ist ausgeschlossen, jedem wird Hilfe zugesagt.
Typisch für das 19. Jahrhundert weist die Kirche Anleihen an einen mittelalterlichen Baustil auf, so bei den neugotischen Spitzbogen über Fenstern und Hauptportal sowie den Kreuzrippengewölben im Mittelschiff und Chor. Über den Seitenschiffen befinden sich auf der ganzen Länge Emporen, die von Konzertbesuchern gerne genutzt werden. Die höhere Orgelempore über dem Haupteingang bleibt dagegen für Musiker*innen und Sänger reserviert.

Insgesamt bietet die Kirche ungefähr 900 Sitzplätze. Die Südausrichtung der Chorfenster lässt ihre farbigen Motive bei Sonnenschein besonders eindrucksvoll zur Geltung kommen. Auf dem süd-östlichen Fenster ist eine Darstellung der Geburt Christi mit dem Bibelspruch „Sehet, welch eine Lieb hat uns der Vater erzeiget“ (1.Joh. 3/1) zu sehen. Die Kreuzigungsszene des mittleren Fensters trägt den Spruch „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünden trägt“; Christus ist hier im Stil des sog. johanneischen Christus, d.h. triumphierend, wiedergegeben.
Das südwestliche Fenster zeigt die Auferstehung Christi mit dem entsprechenden Bibelvers „Der Tod ist verschlungen in den Sieg“ (1.Cor.15). Alle drei Motive sind in gleicher Größe dargestellt und veranschaulichen so, dass diese drei Stationen im Leben Christi von gleich hoher Bedeutung für unseren Glauben sind. Die Fenster wurden von Mitgliedern der alteingesessenen Müllheimer Familie Blankenhorn gestiftet und stammen aus der Werkstatt Helmle und Merzweiler in Freiburg; die Namen der Stifter sind am unteren Rand ornamental eingearbeitet. Der schmale Saum aus Reblaub und Trauben um die äußeren Fenster erinnert gleichermaßen an Christus als Weinstock wie auch an die Weinbautradition der Stifterfamilien. Die heutige Orgel wurde 1966 erbaut und 1996 von der Firma Freiburger Orgelbau klanglich und technisch renoviert. Eine grundsätzliche Renovierung mit erneuerter elektrischer Ausstattung ist für den Sommer 2023 geplant. Die Orgel verfügt über drei Manuale und Pedal' mit 47 Registern. Der Zimbelstern mit acht kleinen Bronzeglöckchen erklingt bei festlichen Gottesdiensten.

Die derzeitige Gestaltung des Chorraums stammt aus den Jahren 1964/65. Der neue Altar steht nun unter dem Triumphbogen; damit wurde im Chorraum mehr Platz geschaffen, um dort kleinere Andachten oder Taufen feiern zu können. Zu diesem Zweck musste auch der alte Taufstein weichen, der jetzt im Heimatmuseum zu besichtigen ist. Die alte Eichenholzkanzel wurde durch ein schlichtes Stehpult im Altarraum ersetzt. Dabei entdeckte man, dass der Bau der Kirche nicht immer von frommen Wünschen begleitet war: Im Schalldeckel der alten Kanzel fand sich ein Zettel mit der Aufschrift: „Proletarier aller Laender, vereinigt euch. Hoch die Commune. Hoch die rothe Republick. Nieder mit dem Pfaffenthum. Amen.“

Der alte Altar befindet sich nun an der Stirnseite des rechten Seitenschiffs. Das ewige Licht darauf ist ein Geschenk der katholischen Kirchengemeinde zum Dank für die gemeinsame Nutzung des Gotteshauses 1975 bis 1978, als die katholische Kirche renoviert wurde. Es symbolisiert die nach wie vor guten nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen katholischen und evangelischen Christen in Müllheim.
  
Friedrichstr. 5
79379 Müllheim
 

Friedenskirche Vögisheim | Zizingerweg 3 | Müllheim-Vögisheim
  

Friedenskirche Vögisheim

Zizinger Weg 3
79379 Müllheim-Vögisheim
 

Jubiläumsfest rund um die Vögisheimer Friedenskirche – Ein Dorf feiert miteinander 

Am Sonntag, den 3. August 2025 um 10:30 Uhr verwandelte sich die Friedenskirche im Herzen von Vögisheim in einen lebendigen Ort der Begegnung, des Feierns und der Gemeinschaft. Anlass war das 70-jährige Jubiläum, das mit einem festlichen Impuls-Gottesdienst begann, der vom ehrenamtlichen Gottesdienstteam „Kommt, atmet auf“ vorbereitet wurde unter Mitwirkung von Kindern des Dorfes, der Chorgemeinschaft Vögisheim und dem Bläserkreis Müllheim-Badenweiler. Die Plätze in der Kirche reichten nicht aus und das neue Format eines Impuls-
Gottesdienstes begeisterte die Besucher. Präsentiert wurden dabei auch Bilder aus der 70-jährigen Geschichte der Friedenskirche. Im Anschluss wurde rund um die Kirche weitergefeiert, organisiert durch den Bürgerverein und Frauenverein. Beim gemeinsamen Mittagessen, gefolgt von Kaffee und einer großen Auswahl an selbstgebackenen Torten und Kuchen, kamen Menschen aller Generationen ins Gespräch. Der Kirchplatz wurde zum Treffpunkt für Jung und Alt, für Einheimische und Gäste. Die Spenden und der Reinerlös kommen dem Erhalt der Friedenskirche zugute. 
Besonders schön war zu erleben, wie der Kirchenraum in kürzester Zeit zum 
Kommunikationszentrum wurde – offen für alle, gastfreundlich und getragen vom Miteinander. Die Dorfgemeinschaft zeigte sich begeistert über das gelungene Fest, das nicht nur ein Jubiläum würdigte, sondern vor allem eines feierte: das Leben in Gemeinschaft als Fest des Lebens. „So fühlt sich Kirche an – mitten im Leben“, fasste eine Besucherin bewegend zusammen. 
Bericht Willy Messner